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Haarausfall bei Frauen im Alter

Veränderung in der Haarstruktur oder Fülle können für viele im Alter zu einer echten Belastung werden. Denn besonders ab den Wechseljahren wird das Haar leider oft etwas dünner und verliert an Dichte. Altersbedingter Haarausfall ist weit verbreitet und absolut normal. Glücklicherweise gibt es einige Tipps und Tricks wie man Haar und Kopfhaut im Alter gezielt stärken kann. 

Informationen geprüft und erstellt in Kooperation mit Friseur und Hairstylist Björn Hartung aus Düsseldorf.


Haarausfall im Alter bei Frauen: Warum verliert unser Haar im Alter an Fülle?

Ob beim morgendlichen Styling, beim Haarewaschen oder einfach zwischendurch dass wir täglich Haare verlieren, ist völlig normal und gehört zu unserem natürlichen Beauty-Zyklus. Jede einzelne Haarfaser durchläuft eine genetisch festgelegte Lebensdauer: Sie wächst, legt eine kleine Ruhepause ein und verabschiedet sich schliesslich, um Platz für ein neues, gesundes Haar zu machen. Bis zu 100 Haare am Tag zu verlieren, ist für unseren Körper also über die Jahre hinweg der absolute Standard. Bei lockigen Haaren oder wenn du 1-2 Tage nicht gründlich durchgekämmt hast, können es bis zu 300 sein. Sieht erstmal nach verdammt viel aus, ist aber total normal und mehr unserer Wahrnehmung als dem tatsächlichem Haarverlust geschuldet. Erst wenn du mit zunehmendem Alter über einen längeren Zeitraum hinweg das Gefühl hast, deutlich mehr Haare zu lassen, sprechen Expert*innen von hormonell oder altersbedingt verändertem Haarausfall. Bemerkst du also dauerhaft ungewöhnlich viele Haare in deiner Bürste, wirkt der Scheitel im Spiegel plötzlich lichter oder verliert das gesamte Haar merklich an Fülle? Dann kann der natürliche Umschwung im Hormonhaushalt der Grund dafür sein. 


Dieses reife Ungleichgewicht bringt den Wachstumszyklus aus dem Takt, lässt die Haarfollikel schrumpfen und sorgt dafür, dass sich das Haar verfrüht verabschiedet. Mit den Jahren verändert sich auch der Haarwachstumszyklus. Besonders die hormonellen Umstellungen rund um die Wechseljahre spielen dabei eine wichtige Rolle. Sinkt der Östrogenspiegel, verändert sich das natürliche Gleichgewicht der Haarfollikel. Die Wachstumsphase der Haare kann kürzer werden und nachwachsende Haare erscheinen oft feiner als zuvor. Dieser Prozess verläuft meist schleichend. Statt eines plötzlichen Haarverlusts nimmt die Haardichte nach und nach ab. Besonders im Bereich des Scheitels und am Oberkopf (die sogenannten Geheimratsecken), wird das Haar häufig lichter. Gleichzeitig verliert das Haar oft an Spannkraft und Geschmeidigkeit. Es wirkt feiner, trockener und reagiert empfindlicher auf äussere Belastungen. Auch die Haarstruktur kann sich verändern. Locken wirken weniger definiert, glattes Haar verliert an Dichte und die Spitzen fühlen sich trockener an. Diese Veränderungen gehören häufig zum natürlichen Alterungsprozess des Haares.

Haarausfall bei Frauen im Alter zeigt sich meist anders als bei Männern. Statt klar abgegrenzter kahler Stellen wird das Haar insgesamt feiner. Viele Frauen bemerken zunächst, dass der Pferdeschwanz weniger Volumen hat oder die Kopfhaut stärker durchschimmert.

Weitere Faktoren die Haarausfall im Alter begünstigen können

Neben Hormonellen gibt es auch weitere Faktoren, die den Haarausfall im Alter begünstigen können. Haarwachstum. Eine unzureichende Versorgung mit Eisen, Vitamin D, Zink oder Eiweiss kann sich auf die Haarqualität auswirken. Ebenso können Schilddrüsenerkrankungen, bestimmte Medikamente oder langfristige Belastungssituationen eine Rolle spielen.

Deshalb lohnt es sich, bei auffälligen Veränderungen genauer hinzusehen. Nicht immer steckt allein das Alter hinter dem Haarverlust. Deine Haarfollikel verlangen nach hochwertigen Bausteinen. Fehlt es deinem Körper an essenziellen Nährstoffen wie Eisen, Zink, Biotin, Vitamin D oder Proteinen, etwa durch eine einseitige Ernährung, Crash-Diäten oder Essstörungen, schaltet die Haarwurzel auf Sparflamme und das Wachstum stagniert.

"Dieser ganze Hype um Ozempic und entsprechende Begleitprodukte ist ebenfalls mit Vorsicht zu geniessen. Wenn Menschen aufgrund der Einnahme zu wenig essen, nehmen sie möglicherweise nicht ausreichend Nährstoffe auf, und das zeigt sich häufig sehr schnell an den Haaren."

- Björn Hartung, Douglas Haircare Experte

Um ganz sicherzugehen, kannst du bei deinem Hausarzt oder Frauenarzt ein großes Blutbild inklusive Hormon- und Nährstoffstatus machen lassen. So lassen sich eventuelle Mängel oder hormonelle Verschiebungen ganz gezielt feststellen. Auch wenn wir es meistens eher von den Männern kennen: Der erblich bedingte Haarausfall ist durchaus auch ein Thema, über das man als Frau einmal nachdenken kann. Er ist zwar deutlich seltener, zeigt sich dann aber meist ganz subtil durch ein feines Ausdünnen entlang des Mittelscheitels. Besonders mit dem Beginn der Wechseljahre kann diese genetische Komponente durch den veränderten Hormonspiegel zum ersten Mal ein wenig sichtbarer werden. Auch hier ist eine ärztliche Beratung the way to go. 

Oft unterschätzt wird die mechanische Belastung, denen wir unsere Haare aussetzen: Zu straff gebundene Frisuren (wie der Sleek Bun), regelmässiges Colorieren, chemisches Glätten, extreme Styling-Hitze oder zu aggressive Pflegeprodukte strapazieren die Haarsubstanz so stark, dass das Haar bricht oder mitsamt der Wurzel vorzeitig ausfällt. Vor allem mit zunehmendem Alter sollte man seinen Haaren regelmässige Stylingpausen gönnen und es nicht zu sehr belasten. 

Die besten Mittel gegen Haarausfall bei Frauen im Alter

Im Zusammenhang mit Haarausfall werden häufig Nahrungsergänzungsmittel empfohlen. Viele Produkte enthalten Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente oder pflanzliche Extrakte und versprechen volleres, kräftigeres Haar. Allerdings ist ihre Wirksamkeit nicht für jede Form von Haarausfall wissenschaftlich belegt.

Entscheidend ist, ob tatsächlich ein Nährstoffmangel vorliegt. Fehlen dem Körper wichtige Bausteine wie Eisen, Zink oder Vitamin D, kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein. Liegt jedoch kein Mangel vor, bieten zusätzliche Präparate meist keinen nachgewiesenen Vorteil für das Haarwachstum.

Mehr ist dabei nicht automatisch besser. Einige Vitamine können vom Körper nicht unbegrenzt verarbeitet oder ausgeschieden werden. Eine langfristig überhöhte Zufuhr bestimmter Nährstoffe kann unerwünschte Folgen haben. Deshalb sollten Nahrungsergänzungsmittel möglichst gezielt und idealerweise nach ärztlicher Rücksprache eingesetzt werden.

Wer unter Haarausfall leidet, sollte die Ursachen zunächst dermatologisch abklären lassen. Erst wenn ein Mangel festgestellt wird oder ein individueller Bedarf besteht, kann eine Nahrungsergänzung Teil eines ganzheitlichen Ansatzes sein.

Aber auch die richtige Pflegeroutine kann häufig einen sichtbaren Unterschied machen. Hier die wichtigsten Tipps:

  • Die Kopfhaut regelmässig massieren: Eine sanfte Kopfhautmassage während der Haarwäsche kann die Durchblutung fördern und die Kopfhaut pflegen. Kreisende Bewegungen mit den Fingerspitzen unterstützen die Pflegeroutine und sorgen gleichzeitig für einen kleinen Wellnessmoment im Alltag. Am besten verwendest du dafür ein pflegendes Pflanzenöl wie Rosmarinöl oder Teebaumöl.

  • Milde Shampoos verwenden: Schonende Formulierungen reinigen Haar und Kopfhaut, ohne sie zusätzlich auszutrocknen. Besonders reiferes Haar profitiert von Produkten, die Feuchtigkeit spenden und die natürliche Schutzbarriere der Kopfhaut respektieren.

  • Conditioner gezielt anwenden: Conditioner sollte vor allem in die Längen und Spitzen eingearbeitet werden. So bleibt das Haar geschmeidig und leichter kämmbar, während der Ansatz sein Volumen behält. 

  • Das Haar nach dem Waschen sanft behandeln: Nasses Haar ist besonders empfindlich. Statt kräftigem Rubbeln empfiehlt es sich, überschüssige Feuchtigkeit vorsichtig auszudrücken oder mit einem weichen Handtuch sanft abzutupfen.

  • Schonend entwirren: Ein grobzinkiger Kamm hilft dabei, Knoten zu lösen, ohne das Haar unnötig zu strapazieren. Idealerweise wird zunächst in den Spitzen begonnen und anschliessend Schritt für Schritt nach oben gearbeitet.

  • Hitzeschutz nicht vergessen: Wer regelmässig föhnt oder Stylingtools verwendet, sollte immer einen Hitzeschutz auftragen. Er legt sich wie ein schützender Film um das Haar und kann helfen, Feuchtigkeitsverlust und Haarbruch zu reduzieren.

  • Beim Föhnen auf moderate Temperaturen achten: Zu heisse Luft kann feines und reiferes Haar zusätzlich belasten. Schonende Temperaturen und ein ausreichender Abstand zum Haar helfen dabei, die Haarstruktur zu bewahren.

  • Volumen gezielt aufbauen: Leichte Ansatzsprays, Volumenmousse oder texturgebende Produkte können dem Haar mehr Fülle verleihen, ohne es zu beschweren. Besonders am Ansatz eingesetzt, sorgen sie für mehr Stand und Bewegung.

  • Schwere Stylingprodukte vermeiden: Reichhaltige Wachse, Öle oder stark festigende Produkte können feines Haar schnell platt wirken lassen. Weniger ist hier oft mehr.

  • Stylinggele sparsam verwenden: Bei häufiger Anwendung können manche Gele das Haar trocken oder stumpf erscheinen lassen. Leichte Texturprodukte sind häufig die bessere Wahl.

  • Auf straffe Frisuren verzichten: Enge Zöpfe oder streng zurückgebundene Frisuren üben Zug auf die Haarwurzeln aus und können empfindliches Haar zusätzlich belasten. Locker gebundene Styles sind meist schonender.

  • Die Kopfhaut pflegen: Eine gesunde Kopfhaut bildet die Grundlage für gepflegt aussehendes Haar. Kopfhautseren mit stimulierenden Wirkstoffen wie z.B. Koffein für die Haare oder Moringa für die Haare und feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte können helfen, das natürliche Gleichgewicht zu unterstützen.

  • Regelmässige Spitzenpflege einplanen: Auch wenn die Haarlänge erhalten bleiben soll, sorgen regelmässige Spitzenkorrekturen dafür, dass das Haar gepflegter wirkt und Haarbruch weniger sichtbar wird.

  • Auf Sonnenschutz achten: Nicht nur die Haut, auch die Kopfhaut und das Haar sind UV-Strahlung ausgesetzt. Spezielle UV-Schutzprodukte oder Kopfbedeckungen können helfen, Haar und Kopfhaut zu schützen. 

Das Wichtigste ist: Geduldig und konsequent bleiben. Volumen, Glanz und ein gepflegtes Haargefühl entstehen meist nicht über Nacht. Oft sind es viele kleine Gewohnheiten, die langfristig einen sichtbaren Unterschied machen und dazu beitragen, dass reiferes Haar vital, gepflegt und möglichst voll wirkt.

Ein Mann mit Brille, Schnurrbart und einem grauen Hemd steht mit verschränkten Armen vor einem hellen Hintergrund und blickt direkt in die Kamera.

Björn Hartung, Friseur und Hairstylist

Unser Haircare Experte

Björn bringt über 25 Jahre Erfahrung in Cut, Color und Care mit. In seinem Düsseldorfer Salon „Stresemann“ stylt, färbt und schneidet er seit mehr als 17 Jahren. Er schenkt seinen Kund*innen nicht nur neue Looks, sondern auch ein neues Lebensgefühl. Haircare ist seine Leidenschaft: Was einst als klassisches Handwerk begann, wurde zu einer Berufung, die weit über Schere und Föhn hinausgeht. Neben seinem Beruf unterstützt er Menschen als Breathwork-Experte dabei, ihre innere Balance zu finden.

Quellenangaben:

[1]: Garcia Bartels, N., Blume-Petyavi, U. (2008). Haaralterung: Klinik, Ursachen und Prävention. In: Krutmann, J., Diepgen, T., Billmann-Krutmann, C. (eds) Hautalterung. Springer, Berlin, Heidelberg.

[2]: Rushton, D.H., Norris, M.J., Dover, R. and Busuttil, N. (2002), Causes of hair loss and the developments in hair rejuvenation. International Journal of Cosmetic Science, 24: 17-23. 

[3]: Zenker, S. Haarausfall. ästhet dermatol kosmetol 9, 30–41 (2017).