
Haare färben oder tönen?
Ob du dich für das Färben oder Tönen entscheidest, beeinflusst dein Styling und die Pflege. Beide Methoden haben ihre Vorteile und sind der perfekte Weg, um deinem Look frischen Schwung zu verleihen. Wir zeigen dir, was dahinter steckt und worauf du achten solltest.
Informationen geprüft und erstellt in Kooperation mit Friseur und Hairstylist Björn Hartung aus Düsseldorf.
Inhalt im Überblick
Kurz & Knapp
Färbung dringt tief in die Haarstruktur ein, baut Melanin oxidativ ab und ermöglicht eine intensive, dauerhafte Farbveränderung
Intensivtönung kombiniert direkte und sanft eingeschleuste Pigmente, schenkt Glanz und sorgt für einen weicheren Übergang beim Nachwachsen
Tönung lagert Pigmente nur an der Haaroberfläche an, verändert den Naturton kaum, sorgt aber für frischen Glanz und eine leichte Farbveredelung
Je heller das Haar (z. B. Ultrablond), desto grösser die Farbauswah
Aftercare ist für den Halt der Farbe unabdinglich
Wodurch sich Haare färben oder tönen unterscheiden
Ob du dich für Färben oder Tönen entscheidest, hängt ganz von deinem Lookwunsch und deinem Haartyp ab. Denn der Unterschied zwischen Tönung und Färbung wirkt sich signifikant auf das Ergebnis aus. Willst du eine langanhaltende Veränderung oder lieber einen sanften Farbglanz? Beide Verfahren verändern die Haarfarbe, doch die Art und Weise, wie sie das tun, ist grundlegend verschieden.
Beim Haare färben wird die natürliche Haarstruktur geöffnet, damit Farbpigmente tief in das Haar eindringen können. Chemisch betrachtet bedeutet das, dass zunächst die Schuppenschicht des Haares mithilfe von alkalischen Substanzen wie Ammoniak oder anderen Basen geöffnet wird. Gleichzeitig wird das Melanin, der natürliche Farbstoff im Haar, durch Wasserstoffperoxid teilweise oxidativ abgebaut. Diese Aufhellung des Naturtons ermöglicht es den künstlichen Farbpigmenten, sich dauerhaft in der Haarinnenschicht zu verankern. Dadurch entsteht eine intensive und langanhaltende Farbveränderung, mit der du sogar graue Haare färben kannst. Beim Profi kannst du sogar entscheiden, wie viel abgebaut werden kann und welche Tonhöhe es zu erreichen gilt.
Eine reine Tönung funktioniert ganz anders. Hier bleiben die Schuppenschicht und der Melaningehalt im Inneren des Haares intakt. Die Farbpigmente, meist als direkte Farbstoffe (Direktpigmente), lagern sich nur an der Oberfläche oder in der äusseren Schuppenschicht (Cuticula) an. Es findet keine oxidative Veränderung statt, daher ist der Prozess wesentlich schonender für das Haar. Die Farbe hält in der Regel nur einige Wochen und wäscht sich mit der Zeit aus. Diese Form der Farbgebung hält je nach Porosität der Haar (nur) einige Haarwäschen.
Die Intensivtönung ist eine schonende Alternative, die zwischen klassischer Tönung und dauerhafter Färbung liegt. Sie kombiniert direktziehende Farbpigmente mit solchen, die sanft ins Haar eingeschleust werden. Der Entwickler wirkt dabei deutlich milder: Statt das Haar stark quellen zu lassen und viel Melanin abzubauen wie bei Haarfarben mit 6 %, 9 % oder 12 % Entwickler, kommen hier nur 1,9 %, 3 % oder 4 % zum Einsatz.
Das Ergebnis ist besonders schonend für die Haarstruktur, verleiht beeindruckenden Glanz und deckt bis zu 70 Prozent grauer Haare ab. Auch die Einwirkzeit ist kürzer, meist nur 15 bis 20 Minuten, während Haarfarben zwischen 35 und 60 Minuten benötigen. In der Haltbarkeit stehen Intensivtönungen einer Färbung kaum nach. Der Übergang beim Nachwachsen wirkt jedoch weicher, da weniger Naturpigmente aufgebrochen werden. So entsteht kein harter Ansatz, sondern ein sanfter, natürlicher Look.
Haare färben oder tönen: Welche Technik passt zu mir?
Wenn du dir eine deutliche und lang anhaltende Veränderung wünschst, zum Beispiel beim Abdecken grauer Haare oder beim Wechsel zu einer komplett neuen Nuance, ist eine klassische Haarfarbe die richtige Wahl. Sie öffnet die Schuppenschicht, greift das Melanin an und ermöglicht dadurch eine intensive, dauerhafte Veränderung. Diese Methode ist allerdings auch belastender für die Haarstruktur. Eine Haarfarbe wird vor allem dann eingesetzt, wenn mehr als siebzig Prozent der Haare grau sind und eine hundertprozentige Abdeckung gewünscht wird oder wenn das Naturhaar um ein bis drei Töne aufgehellt werden soll. Bereits gefärbte Haare lassen sich mit Farbe nicht in gleichem Mass aufhellen, hier ist eine Blondierung notwendig.
Wenn jedoch nicht zwingend gefärbt werden muss, bietet eine Intensivtönung eine attraktive Alternative. Sie deckt bis zu siebzig Prozent Grau ab, schenkt hohen Glanz, ist schonender zum Haar und wirkt natürlicher, da beim Nachwachsen ein weicherer Übergang entsteht. Eine Intensivtönung ist ideal, wenn kaum graue Haare vorhanden sind oder wenn es um eine Ton-in-Ton-Veränderung geht, beispielsweise Braun auf Braun.
Eine reine Tönung eignet sich besonders gut, um dem Haar neuen Glanz zu verleihen und die Farbe leicht zu veredeln. Sie ist die sanfteste Variante, verändert den Naturton nur minimal und sorgt für einen frischen, lebendigen Ausdruck, ähnlich einem Glossing.
Die Wahl der richtigen Methode hängt immer vom gewünschten Ergebnis ab. Wenn nur eine leichte Veränderung oder kaum eine Anpassung des Farblevels gewünscht ist, eignet sich am besten eine Tönung. Sie verleiht dem Haar vor allem Glanz und eine sanfte Nuance. Eine Intensivtönung kann bei feinem Haar sogar eine Aufhellung von zwei bis drei Tonhöhen ermöglichen und bietet gleichzeitig bis zu siebzig Prozent Grauhaarabdeckung. Wer hingegen eine hundertprozentige Abdeckung grauer Haare, maximale Farbintensität und absolute Farbsicherheit wünscht, sollte sich für eine klassische Färbung entscheiden.
"Je heller und sauberer die Basis ist, zum Beispiel ein ultrablondes Haar, desto grösser ist die Vielfalt an Möglichkeiten, welche Tönungen umgesetzt werden können. Wir sprechen hier gerne von einer weissen Leinwand, auf der nahezu jede Nuance sichtbar wird. Bei tieferen Farblevels lässt sich die Nuance in der Regel gezielt beeinflussen – das Haar kann wärmer oder kühler, rötlicher oder matter gestaltet werden."
-Björn Hartung, Douglas Haircare Experte
Aftercare: Das solltest du nach dem Tönen oder Färben beachten
Nach einer Färbung oder Tönung braucht das Haar besondere Aufmerksamkeit, um Farbe, Glanz und Geschmeidigkeit möglichst lange zu bewahren. Da chemische Prozesse immer die Schuppenschicht des Haares beeinflussen, ist die richtige Pflege entscheidend.
Nach dem Färben ist das Haar stärker beansprucht, weil Pigmente tief in die Haarstruktur eingeschleust wurden und die Schuppenschicht geöffnet wurde. Hier sind reichhaltige, reparierende Pflegeprodukte sinnvoll, die Keratin, Proteine oder Öle enthalten und die Haarstruktur wieder aufbauen. Auch spezielle Farbshampoos und Conditioner helfen, die Pigmente im Haar zu fixieren und das Verblassen zu verlangsamen. Wichtig ist ausserdem, das Haar nach dem Färben gut vor UV-Strahlung und Hitze zu schützen, da beides den Farbverlust beschleunigt.
Nach einer Tönung oder Intensivtönung ist die Belastung für das Haar deutlich geringer, dennoch profitieren die Pigmente auch hier von einer farbschützenden Pflege. Sanfte, sulfatfreie Shampoos sind ideal, um die Haltbarkeit zu verlängern, und leichte Conditioner sorgen für Glanz, ohne das Haar zu beschweren.
Unabhängig von der Methode gilt: Direkt nach der Coloration das Haar zwei bis drei Tage nicht waschen, damit sich die Pigmente optimal im Haar verankern können. Hitzestyling nur mit Hitzeschutz anwenden, regelmässige Kuren einplanen und lauwarmes statt heisses Wasser beim Waschen nutzen, um die Farbe länger leuchtend zu erhalten.
„Für die perfekte Vorbereitung auf eine Coloration empfehle ich, etwa eine Woche vorher eine gezielte Aufbaupflege zu nutzen, die die Lipidverbindungen im Haar stärkt und die Haarstruktur widerstandsfähiger macht. Während des Färbens kann ein spezieller Wirkstoff eingesetzt werden, der die inneren Disulfidbrücken schützt, die für Kraft, Elastizität und gesunde Spannkraft des Haares verantwortlich sind, was besonders bei feinem Haar sinnvoll sein kann.“
- Björn Hartung, Douglas Haircare Experte

Unser Haircare Experte
Björn Hartung, Friseur und Stylist
Björn bringt über 25 Jahre Erfahrung in Cut, Color und Care mit. In seinem Düsseldorfer Salon „Stresemann“ stylt, färbt und schneidet er seit mehr als 17 Jahren. Er schenkt seinen Kund*innen nicht nur neue Looks, sondern auch ein neues Lebensgefühl. Haircare ist seine Leidenschaft: Was einst als klassisches Handwerk begann, wurde zu einer Berufung, die weit über Schere und Föhn hinausgeht. Neben seinem Beruf unterstützt er Menschen als Breathwork-Experte dabei, ihre innere Balance zu finden.











